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3.12.19

AKW Mochovce 3: Leitender Ingenieur bestätigt massive Mängel

Die Warnungen des am Reaktorbau beteiligten Statik-Ingenieurs vor unkontrollierten Bohrungen in den „hermetischen Kammern“ wurden bestätigt. Am 27.11. fand im Rahmen des Inbetriebnahme-Verfahrens eine Reaktor-Begehung statt, an der für GLOBAL 2000 Anti-Atom-Sprecher Dr. Reinhard Uhrig teilnahm. „Nach jahrelangen Diskussionen um den Weiterbau des - seit unglaublichen 34 Jahren in Bau befindlichen Reaktors 3 - im slowakischen Mochovce, nach dutzenden Eingaben, Stellungnahmen und der Klage, die nur Dank vieler SpenderInnen und der finanziellen Unterstützung der Windkraft Simonsfeld möglich war, konnte ich erstmals tatsächlich hinein in den teilfertigen Reaktor, um dort die Aussagen der mittlerweile fünf Whistleblower überprüfen, die sich an uns gewandt haben – und unangenehme Fragen an den AKW-Betreiber und die Atomaufsicht stellen,“ so Uhrig.

AKW-Betreiber gibt erstmals die Beschädigung essentieller Rohrleitungen zu
Im April 2019 hatte sich ein am Reaktorbau beteiligter Statik-Ingenieur an die Öffentlichkeit gewandt und vor unkontrollierten Bohrungen und deren möglichen Auswirkungen auf die Festigkeit des Gebäudes gewarnt, diese sei zu überprüfen. „Der leitende Ingenieur der Betreibergesellschaft bestätigte erst auf meine dreimalige Nachfrage in der betroffenen hermetischen Kammer, wovor der Whistleblower uns gewarnt hatte: dass bei den Bauarbeiten und Nachrüstungen des Uralt-Reaktors wichtige Teile des Reaktors sehr wohl angebohrt wurden“, so Uhrig. „Der Betreiber gibt nun erstmals zu, dass in mindestens drei Fällen essenzielle, große Rohrleitungen des Reaktors, darunter im Boden verlegte Notkühl-Systeme angebohrt und zerstört wurden.“

Eingeständnis widerlegt Schutzbehauptung – Dokumentationen nicht vertrauenswürdig
„Diese Zerstörungen sind ein offenkundiger Beweis für die Richtigkeit der Warnungen des Whistleblowers, dass es bei der Menge von Bohrungen in eine teilfertige Bauruine aus Sowjet-Zeiten schlicht unmöglich war, keine essentiellen Reaktorteile, selbst so große wie Rohrleitungen und nicht nur die Stahl-Armierungen in den Betonwänden zu beschädigen“, so Uhrig. „Schlimmer noch sind die Bohrungen nach Aussage des Zeugen vielfach unkontrolliert, blind erfolgt – und die Zuverlässigkeit der Dokumentation ist mehr als fraglich.“ In der Pumpstation der Anlage mussten gerade mehrere Kilometer Schweißnähte an unter hohem Druck stehenden Rohrleitungen erneuert werden, da die am Bau beteiligten Firmen falsches Material einsetzten und die Zertifikate fälschten. Weitere Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe und Abrechnung von Teilaufträgen an slowakische und sizilianische Baufirmen in Mochovce werden derzeit von der slowakischen Kriminalpolizei untersucht.

Transparenz und internationale Kontrolle gefordert
„Wir fordern im Rahmen der von uns erkämpften, noch bis nächsten Donnerstag laufenden Kontrolle durch die internationale Mission der IAEO eine vollständige Offenlegung und Plausibilitäts-Prüfung aller Bohr-Protokolle“, verlangt Uhrig. „Wir rufen Bundeskanzlerin Bierlein und die gewählten VertreterInnen Österreichs auf, entschlossen gegen diese Verhüllungen bei den Prüfungen des Uralt-Reaktors in Mochovce vorzugehen: Volle Transparenz wurde zugesichert, diese muss erfolgen – und kontrolliert werden.“

Die Windkraft Simonsfeld unterstützt die Klage von Global 2000 gegen die Inbetriebnahme des AKWs Mochovce 3 seit Jahren finanziell.

Quelle: Global 2000