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9.04.18

Klima- und Energiestrategie: Planungssicherheit und rascher Windkraftausbau gefordert

In diesem Jahr konnten, nicht zuletzt durch die kleine Ökostromnovelle, neue Verträge für rund 150 Windkraftanlagen mit 500 MW Leistung von der Förderstelle OeMAG vergeben werden. Dennoch sind rund 200 Windkraftanlagen mit 650 MW Leistung fertig genehmigt, aber noch immer in einer Warteschlange bis 2023 gefangen. „Die Windbranche braucht jetzt eine Zusage der Politik, dass es einen Ausbauimpuls und Rechtssicherheit beim Übergang zu einem neuen Fördersystem für alle bereits fertig genehmigten Windkraftanlagen geben wird. Dadurch könnte die Branche die Planung neuer Windparks bereits jetzt beginnen und die Energiewende im Strombereich sicherstellen“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und zeigt auf: „So könnte die Stromproduktion aus sauberer Windenergie von derzeit 7 auf 12 Milliarden Kilowattstunden bis 2022 erhöht werden, das entspricht 19 % des derzeitigen österreichischen Stromverbrauchs.“


Bei einer Pressekonferenz in Wien forderten Windkraft-Vertreter heute Planungssicherheit und Ergänzungen in der Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung: Martin Krill (PROFES), Stefan Moidl (IGW), Martin Steininger (Windkraft Simonsfeld) und Hans Winkelmeier (Energiewerkstatt Verein)

Die Windkraft Simonsfeld kann durch die kleine Ökostromnovelle nun 16 Windkraftwerke in den kommenden Jahren bauen. „Das Sonderkontingent der Novelle reicht allerdings nicht für alle bewilligten Projekte unseres Unternehmens“, berichtet Martin Steininger, Vorstand der Windkraft Simonsfeld AG und setzt fort: „Vier bewilligte und umsetzungsreife Windkraftanlagen für unseren Windpark Dürnkrut befinden sich nach wie vor in der Warteschlange. Die Windräder warten schon mehrere Jahre auf ihre Errichtung. Für mich ist es unverständlich, dass wir es in Österreich hinnehmen, dass wir weiterhin Unmengen an Strom importieren, während hunderte bewilligte Windkraftwerke jahrelang auf Einspeiseverträge warten müssen. Leider zeigt der Entwurf der Klima- und Energiestrategie hier keine raschen Verbesserungen.“

„Noch immer hängen 650 MW fertig genehmigte Projekte in der Warteschlange bis zum Jahr 2023. Das Problem dabei sind neben einem Ausbau mit angezogener Handbremse, dass die Bescheide nur begrenzte Gültigkeitsdauer haben und diese daher immer wieder erneuert werden müssen“, berichtet Martin Krill, gf. Gesellschafter des Planungsbüros PROFES und stellvertretener Firmenbeiratsvorsitzender der IG Windkraft und führt weiter aus: „Das ist mit unnötigem Aufwand und Kosten für Verwaltung, Behörden und Planer verbunden. Bei langer Wartedauer ist dann die geplante Technik auch noch veraltet und die Projekte müssen mit weiterem Aufwand umgeplant werden, was die Behörden wiederum weiter belastet und Verfahren verlängert statt verkürzt, wie das ja auch ein Ziel der neuen Bundesregierung ist. Wirklich frustrierend für alle Seiten.“

12 Milliarden kWh Windstrom bis 2022 möglich
„Dabei würden wenige Sätze in der Klima- und Energiestrategie deutliche Verbesserung bringen“, meint Moidl und führt weiter aus: „Würde man der Branche die Aussicht geben, dass die im derzeitigen Ökostromgesetz bewilligten Projekte im bestehenden System umgesetzt werden können, würde man Planungssicherheit und Vertrauensschutz wieder herstellen und bei der Neuplanung der dringend benötigten Projekte einen Stillstand vermeiden.“

Alle bestehenden Windräder erzeugen derzeit im Jahr 7 Milliarden kWh klimafreundlichen Strom. Rechnet man die bewilligten Projekte hinzu sind dies bereits mehr als 9 Milliarden kWh. Bekäme die Branche die Perspektive, dass neue Windparkprojekte auch im bestehenden System noch einen Fördertarif vorgezogen erhalten können, ist eine Erhöhung der Windstromproduktion bis 2022 auf 12 Milliarden kWh möglich. Das entspricht 19 % des derzeitigen österreichischen Stromverbrauchs.

22,5 Milliarden kWh Windkraft bis 2030 möglich
2014 verfasste der Verein Energiewerkstatt und die IG Windkraft im Auftrag des Klima- und Energiefonds die Studie „Das realisierbare Windpotential Österreichs für 2020 und 2030“. Darin wurde bis 2030 ein Windkraftpotential von 6650 MW prognostiziert. „Da in den letzten Jahren die Anlagen deutlich größer und effizienter ausgelegt wurden, war eine Neubewertung der von der IGW 2014 publizierten Potentialstudie und der darin angegebenen, bis 2030 erreichbaren Ausbauziele dringend notwendig“, berichtet Hans Winkelmeier, Geschäftsführer des Energiewerkstatt Vereins und setzt fort: „Während im Jahr 2011 noch die erste Windkraftanlage mit mehr als 100 m Rotordurchmesser als technologische Sensation gefeiert wurde, befinden sich die ersten Anlagen mit 140 m Durchmesser bereits in Bau. Allein dieser Technologiesprung bewirkt eine Verdoppelung der möglichen Erträge pro Anlagenstandort. Und dies innerhalb einer technologischen Entwicklungsspanne von nur wenigen Jahren.“
Die aktuelle Neubewertung erhöhte die Prognose auf 7.500 MW und 22,5 Milliarden kWh. Das bedeutet eine um 12,5% höhere Leistung und 27% mehr Strom als bisher geschätzt. Diese Werte können nun sogar mit nur 2.100 Windkraftanlagen erreicht werden, das sind 200 Anlagen weniger als noch 2014 erwartet.

Wenn man die bereits fertigt genehmigten Windräder zu den bereits errichteten hinzuzählt, die in den letzten Jahren im Konsens mit der regionalen Bevölkerung und mit den Umwelt- und Naturschutz-NGOs bewilligt wurden, ergibt sich daraus in Österreich bereits eine Gesamtleistung von rund 3.900 MW. „Damit die restlichen 3.600 MW auch tatsächlich bis 2030 Strom erzeugen, braucht es eben bereits jetzt die Sicherheit für die Branche. Die Klima- und Energiestrategie könnte diese bringen“, bemerkt Moidl und ergänzt abschließend: „Dafür bräuchte es eigentlich nur wenige Ergänzungen!“

Quelle: IG Windkraft