Interview mit unserem
neuen Vorstandsteam

Seit April führt ihr das Unternehmen und habt damit die Nachfolge von Gründer Martin Steininger angetreten, der nach mehr als 25 Jahren in Pension gegangen ist.

Markus Winter: Martin Steininger hat mit der Gründung der Windkraft Simonsfeld etwas Großes geschaffen. Als ich vor 19 Jahren hier begonnen habe, war mir klar, dass in diesem Unternehmen an der Lösung eines der größten Probleme unserer Zeit gearbeitet wird: der Klimakrise.

Ich freue mich schon auf die Aufgabe, die für mich nicht ganz neu ist. Alexander Hochauer und ich sind ja bereits seit Jahren gemeinsam als operative Geschäftsleiter tätig. Die Übergabe der Vorstandsfunktionen war ein langfristiger und geplanter Prozess, den Martin von Anfang an mitgetragen hat. 

Alexander Hochauer: Ich bin seit neun Jahren Teil des Teams und habe Martin als beeindruckende Gründer-Persönlichkeit kennengelernt. Die Windkraft Simonsfeld steht für alles, was mir persönlich immer wichtig war und ist – Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Zukunftsorientierung. Diese Aspekte werden auch weiterhin die Richtung des Unternehmens bestimmen. Es hat uns sehr gefreut, dass unsere Nachfolge der Wunsch von Martin und des gesamten Aufsichtsrats war. 

 

Wie habt ihr die Aufgaben aufgeteilt und wie arbeitet ihr zusammen? 

Markus Winter: Wir werden als gleichberechtigte Vorstände das Unternehmen leiten, die Geschäftsbereiche bleiben so aufgeteilt wie bisher. Ich bin als Vorstand Technik für die technische Leitung und die Projektierung im In- und Ausland zuständig. Alex wird als Vorstand Finanz die kaufmännische Leitung verantworten und ist unter anderem für Finanzen, Recht oder Personal zuständig. Unser Teamwork hat von Anfang an sehr gut funktioniert. 

Alexander Hochauer: Ich habe vor allem auch deshalb für die Vorstandsposition zugesagt, weil ich mit Markus das Unternehmen leiten werde. Wir ergänzen uns inhaltlich und auf persönlicher Ebene und vertrauen einander.

Welche strategischen und operativen Schwerpunkte habt ihr euch für die kommenden Jahre gesetzt? 

Markus Winter: Wir werden den bisherigen Kurs weiter fortsetzen, wie man auch an unserer aktuellen Strategieentwicklung sieht (> Seite 16). Die Windkraft Simonsfeld wird weiterhin eine kompetente Größe in der Branche bei Planung, Errichtung und Betrieb von Wind- und Sonnenkraftwerken bleiben. Wir wollen zu einem Unternehmen werden, das in der öffentlichen Wahrnehmung untrennbar mit erneuerbaren Energien verbunden ist. Ein zukünftiger Schwerpunkt wird die verstärkte Nutzung von Windpark-Flächen für Sonnenenergie sein. Fest steht, wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um die Energiewende voranzutreiben.

Alexander Hochauer: Wir wollen daran festhalten, was die Windkraft Simonsfeld erfolgreich gemacht hat. Besonders wichtig ist uns, dass wir den Gedanken der
Bürger*innen-Beteiligung, wie er bereits seit über 20 Jahren von uns gelebt wird, weitertragen. Unsere Botschaften im Zusammenhang mit der Energiewende, der Klimakrise und der Energiepolitik werden wir noch verstärken: Unser Ziel ist, unternehmerisch in vielen Bereichen der Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion zu übernehmen. 

 

Die Windkraft Simonsfeld will einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Durch welche Maßnahmen ist das im Geschäftsjahr 2021 gelungen?

Markus Winter: Wir haben im Vorjahr 14 neue Windenergieanlagen in Poysdorf und Prinzendorf ans Netz gebracht, das waren 14 Highlights in einem Jahr. So produzieren wir ab 2022 mit 90 Windkraftanlagen Strom für 158.000 Haushalte.

Alexander Hochauer: Wir haben ein erfolgreiches Mitarbeiter*innen-Beteiligungsprogramm umgesetzt, über 80 % unseres Teams sind Aktionär*innen der Windkraft Simonsfeld.
Zwei Premieren gab es noch: Wir haben unsere erste auditierte Gemeinwohlbilanz veröffentlicht, die zeigt, welchen Beitrag unser Unternehmen abseits wirtschaftlicher Ergebnisse aus ökologischer, sozialer und gesellschaftlicher Sicht zum Wohlergehen aller Menschen leistet. Und wir haben erfolgreich die erste virtuelle Hauptversammlung in der Geschichte des Unternehmens abgehalten. 

 

Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) wurde mit einer erforderlichen Novelle zu Beginn 2022 endgültig beschlossen. Was heißt das für die Windkraft Simonsfeld? 

Markus Winter: Mit dem EAG gibt es nach dem Ökostromgesetz von 2012 erstmals wieder stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und langfristige Investitions- und Planungssicherheit, diese sind auch wichtig für unsere Investitionen in Österreich. Ob das EAG allerdings für das Erreichen der Klimaziele ausreicht, ist zu bezweifeln. Es mangelt an den konkreten Umsetzungsplänen in den Ländern, Flächenwidmungen und schnellen und effizienten Umweltverträglichkeitsprüfungen. 

Alexander Hochauer: Klar ist, man muss die Energie dort abholen, wo sie vorhanden ist. In Niederösterreich gibt es Wind, Sonne und auch die entsprechenden Flächen, also brauchen wir hier die erforderlichen Widmungen. Die not-
wendigen Maßnahmen müssen jetzt rasch umgesetzt
werden.

Welche Projekte verfolgt die WKS in Österreich und international? 

Markus Winter: In Dürnkrut werden wir 2023 drei Anlagen der 5,7-MW-Klasse errichten, das letzte Projekt im alten Ökostromgesetz. Weiters werden wir unsere Umweltverträglichkeitsprüfungen und Genehmigungen in Sigmundsherberg und Wilfersdorf vorantreiben. Wir setzen außerdem ab sofort verstärkt auf Sonnenkraftwerke auf Windparkflächen, eine ideale Ergänzung, um das Netz besser auszunützen und die Volllaststunden zu erhöhen. In Sfanta Elena (Rumänien) erwarten wir alle Genehmigungen inklusive Netzanschluss in diesem Jahr und können dann die nächsten Schritte in der Projektplanung gehen. Auch in den anderen Ländern wollen wir die nächsten Milestones in der Projektentwicklung erreichen. 

Alexander Hochauer: Die Finanzierung von Projekten auf Märkten, die weniger stabile Markt- und Rechtsgrundlagen haben, ist sehr herausfordernd. Da evaluieren wir derzeit, welche Möglichkeiten in Rumänien am besten geeignet sind. Unser Büro-Zubau ist ein weiteres großes Projekt: Wir wollen eine nachhaltige, moderne und kommunikative Arbeitsumgebung für unser wachsendes Team schaffen. Heuer wird die Architekten-Entscheidung getroffen, und die Pläne sollen eingereicht werden. 

 

Gelebte Nachhaltigkeit ist das Fundament des Unternehmens, was ist dazu 2022 zu erwarten?

Alexander Hochauer: Für uns ist gesellschaftliche Verantwortung die Grundlage unseres unternehmerischen Handelns, so ist es auch in unserer Satzung verankert. Wir zeigen, was Unternehmen über ihr Kerngeschäft hinaus zur Entwicklung einer besseren Gesellschaft beitragen können. Nachhaltigkeit ist uns auch bei der Auswahl unserer Partner*innen wichtig – egal ob es um Druckereien, Anlagenhersteller, Transportunternehmen oder Finanzierungspartner geht. Derzeit evaluieren wir außerdem wieder neue Projekte im globalen Süden, die im Zusammenhang mit
erneuerbaren Energien stehen und an unsere bestehenden Kooperationen im In- und Ausland anschließen. 

Markus Winter: Gelebte Verantwortung bedeutet für uns, für Bevölkerung, Gemeinden und Grundeigentümer*innen eine Partnerin mit Handschlag-Qualität zu sein. Wir planen unsere Projekte gemeinsam mit allen Stakeholdern und
gehen so weit wie möglich auf deren Bedürfnisse ein.

2021 haben wir erstmals eine Ökobilanz im Rahmen der Errichtung eines Windparks erstellt, die zeigt, dass Windenergie die mit Abstand geringsten CO2-Emissionen aller Energieträger verursacht, gerechnet auf die Lebensdauer der Anlagen. Bei Transport und Materialien gibt es aber Verbesserungspotenziale, die wir aufzeigen wollen. Hier leisten wir es uns, lästig zu sein. 

 

Die Windkraft Simonsfeld ist eine der attraktivsten Arbeitgeberinnen in der Branche und schafft neue Green Jobs in der Region. Was bietet das Unternehmen?

Alexander Hochauer: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen bei uns an erster Stelle. Jeder soll sich entsprechend seiner individuellen Talente entfalten können und Spaß am Job haben. Gesundheitsangebote, gelebte „Work-Life-Balance“ und andere Benefits sind Standard bei uns. Die geringe Fluktuation und das sehr gute Ergebnis unserer Mitarbeiter*innen-Befragung bestätigen uns als attraktive Arbeitgeberin. Darauf ruhen wir uns nicht aus – wir arbeiten ständig daran, uns zu verbessern. 

Markus Winter: Wir haben ein Team mit hoher Motivation, tollen Kompetenzen – fachlich und sozial. Was in den
mehr als 25 Jahren seit Bestehen des Unternehmens geschaffen wurde, haben wir als Team erreicht. 

 

Die Windkraft Simonsfeld beteiligt Menschen ideell und wirtschaftlich an der Energiewende und am Ausbau der erneuerbaren Energien. Was bedeutet das konkret?

Markus Winter: Wir wollen so viele Menschen wie möglich beim Thema erneuerbare Energien mit ins Boot holen und Bewusstsein für die Notwendigkeit der Energiewende schaffen. Eines unserer wichtigsten Ziele: Die Akzeptanz in unseren Projektgemeinden soll so hoch bleiben wie bisher.

Alexander Hochauer: Wir ermöglichen auch eine wirtschaftliche Beteiligung über Anleihen und Aktien. Uns ist wichtig: Jeder, der will, soll sich beteiligen können und kann so ein Teil zur Lösung der Klimakrise sein. Das nachhaltige Interesse zeigt sich auch auf unserem Aktien-Handelsplatz: Das Umsatzvolumen war 2021 hoch wie nie. Für 2021 werden wir der Hauptversammlung eine Dividende von 8 € je Aktie vorschlagen.

Die Preise auf den Strommärkten sind zuletzt enorm gestiegen. Welche Auswirkungen hatte das auf die Windkraft Simonsfeld?

Markus Winter: Seit dem 4. Quartal 2021 sind die Preise am Strommarkt deutlich höher als die Einspeisetarife. Wir haben daher die Produktion unserer österreichischen Windparks ab November 2021 und bereits für das gesamte laufende Geschäftsjahr außerhalb der gesetzlichen Einspeisetarife vermarktet. 

Durch die Versäumnisse der Politik gibt es in Österreich noch immer zu wenig günstigen erneuerbaren Strom, unser Land ist nach wie vor von Stromimporten abhängig. Die hohen Energiepreise sind hauptsächlich auf unsere Abhängigkeit von russischem Gas zurückzuführen. Spätestens jetzt muss allen klar sein, dass eine saubere, sichere und kostengünstige Energieversorgung nur aus erneuerbaren Quellen kommen kann. 

Alexander Hochauer: Der Strompreis wird wohl noch länger auf hohem Niveau bleiben, eine Entspannung ist durch die aktuelle Krise auch nicht in Sicht. Mehr erneuerbare Energie senkt die Strompreise, vor allem weil man für die Produktion keinen Brennstoff braucht: Wind, Sonne und Wasser sind gratis. 

 

Die Windkraft Simonsfeld leistet seit Jahren ihren Beitrag zur Lösung der Klimakrise. Was muss aus Sicht des Unternehmens auf politischer Ebene passieren?

Markus Winter: Am wichtigsten ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema, auf allen Ebenen. Es geht jetzt darum, starke und rasche Entscheidungen zu treffen und Handlungen zu setzen. Allen muss klar sein: Für unsere Erde gibt es keine Klimaanlage. 

Alexander Hochauer: Wir brauchen ehrliche Kommunikation zu diesem Thema, die Fakten liegen längst am Tisch. Wir müssen unsere Energieaufbringung und unsere Ressourcenverschwendung eindämmen und den Energiebedarf so weit wie möglich aus erneuerbaren Energien decken. Jetzt müssen wir handeln, alle gemeinsam.