Sauberer Strom

für eine saubere Umwelt

Aktuelle Kennzahlen
29.11.17

Podiumsdiskussion: Klimaflucht durch Klimawandel

Allein letztes Jahr mussten 24,2 Millionen Menschen in 118 Ländern auf Grund von Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen. Die Bekämpfung des Klimawandels ist nicht nur eine ökologische, sondern eine ernstzunehmende soziale Frage. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte die Zahl der Flüchtlinge, die auf der Suche nach einem neuen Lebensraum sind, auf eine Milliarde steigen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann hier Teil der Lösung sein. Diesen Themenkomplex diskutierten Entscheidungsträger aus Forschung- und Wissenschaft, von führenden Umwelt- und Sozialverbänden und dem Bereich der erneuerbaren Energien im RadioKulturhaus.

 
(c) IG Windkraft

 „Der Klimawandel verschärft Hunger und Armut und zwingt mehr und mehr Menschen zur Aufgabe ihrer Heimatregion. Wir sehen das bereits bei unseren Projekten in verschiedenen Ländern, die wir betreuen", erklärte Michael Bubik, Geschäftsführer der Diakonie Eine Welt. „Welches Ausmaß diese Krisen haben werden, hängt von den Maßnahmen ab, die bis dahin gesetzt werden, also ob es gelingt, klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren“, bemerkt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der Umweltorganisation GLOBAL 2000.

Klimawandel ist eine Hauptursache für Flucht

Spätestens seit der Klimakonferenz in Paris ist die Dringlichkeit des Klimaschutzes unübersehbar. Zur diesjährigen Klimakonferenz in Bonn richteten 15.000 Wissenschaftler einen dringenden Appell und eine „Warnung an die Menschheit“ an die Staatenführer, keine Zeit mehr zu verlieren und den Klimaschutz beherzt anzugehen. „Der Klimawandel ist schneller vorangeschritten als wir das noch vor einigen Jahren für möglich gehalten hätten“, erklärt Herbert Formayer, Professor am Institut für Meteorologie der Universität Wien und weiter: „Gerade Österreich hat hier in den letzten Jahren viel zu wenig getan. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Gerhard Wotawa, Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und Obmann des Climate Change Centre Austria (CCCA) ergänzt: „Das Thema der umwelt- und klimabedingten Migration wird in Zukunft immer bedeutender werden. Ohne rasche Klimaschutzmaßnahmen werden in den kommenden 30 bis 40 Jahren die Lebensbedingungen im gesamten Mittelmeerraum und in Afrika südlich der Sahara immer schlechter werden. Zusammen mit den teilweise extrem hohen Geburtenraten in diesen Ländern müssen wir hier mit ernsten Problemen rechnen.“ Bereits im Jahr 1990 wies der internationale Weltklimarat (IPCC) auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Flucht hin.

Konfliktauslöser Klimawandel

Der Klimawandel trägt auch zu vielen Konflikten bei – etwa in Syrien. Vor dem Ausbruch der Gewalt mussten mehr als 1,5 Millionen Menschen ihre Lebensräume nach mehrjährigen schweren Dürren verlassen. Die in die Städte flüchtende Bevölkerung fand dort keine Arbeit. Dieser Umstand bot einen optimalen Nährboden für fundamentalistische Gruppen.

„Durch die angespannte Klimasituation und die häufiger auftretenden Naturkatastrophen verschlechtert sich weltweit die Lage für Menschen, die bereits unter schwierigen Bedingungen leben, besonders für Frauen und Kinder. Als Folge nehmen Menschenrechtsverletzungen zu“, berichtet Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

Erneuerbare Energien als Lösungsansatz

Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreichs (EEÖ) ergänzt: „Energieimporte aus politisch instabilen Ländern können mit ein bisschen gutem Willen durch heimische Energien aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse ersetzt werden. Neben den positiven Auswirkungen auf das Klima verbessern wir damit die Handels- und Zahlungsbilanz und trocknen die Quellen der Terrorfinanzierung aus.“

Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, muss die Energieversorgung zur Gänze auf erneuerbare Energien umgestellt werden. „Für Österreich erfordert dies einen raschen und starken Ausbau der erneuerbaren Energien“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und ergänzt: „Je schneller wir den Umstieg auf eine CO2-freie Gesellschaft schaffen, desto mehr helfen wir auch mit, dass die Klimaflucht nicht noch weiter zunimmt und viele Menschen ihr Zuhause nicht verlassen müssen. Österreich muss daher auch andere Regionen der Erde auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien mit Technologien, Know-how Aufbau und Finanzierung verstärkt unterstützen.“

zurück zur Übersicht