AKW Mochovce: Betriebserlaubnis trotz Pfusch am Bau auch bei schon laufenden slowakischen Atomreaktoren

 

Minderwertige Schweißnähte auch im AKW Bohunice 60 km von Österreichs Grenze – Reaktoren laufen trotzdem weiter

 

Am 25.08.2022 veröffentlicht die slowakische Atomaufsicht ÚJD die finale zweitinstanzliche Betriebserlaubnis für den Atomreaktor Mochovce 3, der seit 37 Jahren in Bau ist. Das heißt: Mit dieser Betriebserlaubnis könnte der Reaktor in wenigen Wochen in Betrieb gehen – falls dies technisch überhaupt möglich ist. Missmanagement und starker Zeitdruck beim überschuldeten Betreiber Slovenské elektrárne sowie bewusst unterlassene Kontrollen durch die Atomaufsicht führen zu immer neuen Pannen. Immer wieder werden durch die slowakische Kriminalpolizei Korruptionsfälle bei Managern von Slovenské elektrárne und Zulieferern aufgedeckt. Whistleblowern melden regelmäßig technische Probleme in vielen sicherheitskritischen Bereichen: die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 deckte bereits 2019, durch Informationen eines Baustatik-Ingenieurs, unkontrollierte Bohrarbeiten in den hermetischen Kammern des Reaktors auf. Das Video eines Maschinenbau-Ingenieurs zeigt eine explosionsartige Verpuffung an einem der veralteten und schlecht gewarteten Notstrom-Dieselgeneratoren. Zuletzt machten 2021 Whistleblower schwere Fehler des Top-Managements bei Inbetriebnahme-Tests öffentlich, die zu massiven Rostschäden am Primärkreislauf des Reaktors führten.

 

Schweißnähte am Nuklearkreislauf aus nicht rostfreiem Stahl auch in den laufenden Reaktoren

Durch noch am Projekt arbeitende, besorgte Ingenieure hat GLOBAL 2000 neue Informationen erhalten. Auf eine offizielle Anfrage hin musste die slowakische Atomaufsicht jetzt zugeben, dass mehr als 20 Schweißer einer tschechischen Lieferfirma minderwertige, eisenhaltige Schweißnähte an vorgeschrieben rostfreien Rohrleitungen des Reaktors ausgeführt haben – mittlerweile wurden 75 Fälle von potentiell rostanfälligen Rohrleitungen identifiziert und teilweise repariert. Nach dem 2020 bekannt gewordenen großen Skandal um tausende Rohrleitungen aus minderwertigem Stahl, die aus krimineller Absicht von Subunternehmern in Mochovce eingebaut wurden, ist dies schon der zweite Skandal von Subunternehmern des tschechischen Atom-Zulieferkonzerns Škoda JS.


„Noch schlimmer als der permanente Pfusch in Mochovce ist: Diese kriminellen Schweißer haben auch an den laufenden Reaktoren 1 und 2 in Mochovce und den Blöcken 3 und 4 in Bohunice gearbeitet. Dort wurden bisher sieben fehlerhafte Schweißnähte gefunden“, sagt Dr. Reinhard Uhrig von GLOBAL 2000. „Anders als international üblich, wurden diese Reaktoren jedoch nicht aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, um weitere Verdachtsfälle zu prüfen. Diese vier Reaktoren laufen mit potenziell nicht rostfreien Schweißnähten während der Untersuchungen einfach weiter. Dies ist ein offenkundiges Versagen der Aufsichtspflicht der slowakischen Nuklearbehörde.“

Anders als von der Behörde dargestellt, sind in Mochovce 3 nach Information der am Bauprojekt beteiligten Atomingenieure weit über 50.000 potenziell rostanfällige Rohrleitungen verbaut, von denen nur ein sehr kleiner Teil – noch nicht einmal 7 Prozent – bisher tatsächlich überprüft wurde. GLOBAL 2000 hatte deswegen die slowakische Atomaufsicht bereits im Februar 2022 wegen bewusst unterlassener Kontrollen bei der slowakischen Kriminalpolizei angezeigt.

Bereits nach der umfassenden Zensur und Schwärzung von technischen Dokumentationen im Dezember 2017 hatte GLOBAL 2000 Klage gegen die slowakische Atomaufsicht ÚJD eingelegt, unterstützt von Windkraft Simonsfeld und der slowakischen Rechtsanwalts-NGO Via Juris – dieses Verfahren ist weiterhin im Laufen.