Europa: Schlimmste Trockenperiode seit 2100 Jahren

Ernteausfälle, vertrocknete Wälder und ausgetrocknete Flüsse sind nur drei der vielen Folgen von Hitzewellen, mit denen Europa in den vergangenen Jahren immer wieder zu kämpfen hatte.

Bild: Pixabay/Felix Mittermaier

Die Sommerdürren, die Europa seit 2015 erlebt hat, waren weitaus gravierender als in den rund 2.100 Jahren davor. Das ergab eine internationale Studie mit Beteiligung der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlicht wurde.

Europa erlebte etwa in den Jahren 2003, 2015 und 2018 extreme sommerliche Hitzewellen und Dürren. Die Folgen haben nicht nur Land- und Forstwirtschaft betroffen, sondern auch die Zahl der Hitzetoten nach oben schnellen lassen, schreiben die Wissenschaftler*innen.

"Wir sind uns alle der Häufung von außergewöhnlich heißen und trockenen Sommern bewusst, die wir in den letzten Jahren hatten", fasst Ulf Büntgen von der Universität Cambridge, Erstautor der aktuellen Studie, zusammen. "Aber wir brauchten präzise Rekonstruktionen der historischen Bedingungen, um zu sehen, wie diese jüngsten Extreme im Vergleich zu früheren Jahren ausfallen."

Für die Untersuchung wurden 27.000 Messungen an Baumringen von 147 Eichen, die einen Zeitraum von 2100 Jahren abdecken, vorgenommen. Die Proben stammten unter anderem aus archäologischen Überresten und historischem Baummaterial, aber auch von lebenden Bäumen aus der heutigen Tschechischen Republik und Teilen des südöstlichen Bayerns. Die Proben aus den Jahren 2015 bis 2018 offenbarten, dass die Dürrebedingungen der vergangenen Sommer weitaus gravierender waren als in den 2.100 Jahren zuvor. "Nach Jahrhunderten eines langsamen, signifikanten Rückgangs haben wir einen drastischen Einbruch erlebt, was besonders für die Land- und Forstwirtschaft alarmierend ist", kommentiert Mitautor Mirek Trnka. "Das beispiellose Waldsterben in weiten Teilen Mitteleuropas bestätigt unsere Ergebnisse."

Die Forscher führen die beobachtete Häufung der ungewöhnlich trockenen Sommer auf die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung und der damit verbundenen Veränderungen der Position des Polarjetstreams zurück. Dieser gehört zu den beiden großen Windbändern, die das Temperaturgefälle zwischen den Polen und dem Äquator ausgleichen und großen Einfluss auf unser Wetter ausüben.
 

 

Text: APA/Science