Lösungen für ein Ökosystem in der Krise: Zukunftsgespräch mit Martin Grassberger und Alfred Grand

Mehr als 250 Teilnehmer*innen besuchten gestern das Zukunftsgespräch mit Martin Grassberger und Alfred Grand in der Veranstaltungshalle in Ernstbrunn. Im Rahmen der „Simonsfelder Zukunftsgespräche“ macht die Windkraft Simonsfeld seit knapp sieben Jahren wichtige, globale Zukunftsthemen rund um Ökologie, Ökonomie und Klima zum Thema und diskutiert diese mit Expert*innen aus regionaler Perspektive.


Markus Winter (Vorstand Technik), Alfred Grand, Martin Grassberger und Alexander Hochauer (Vorstand Finanz)

Unser Ökosystem in der Krise: Wo wir stehen und welche Lösungen es gibt
So lautete das Thema des Zukunftsgesprächs am 9.11.2022. Industrielle Landwirtschaft, Umwelt- und Klimakrise schädigen unsere natürlichen Ökosysteme und die menschliche Gesundheit. Martin Grassberger und Alfred Grand zeigten auf, wie Mikroorganismen, Biodiversität, Klima und Ernährung unsere Gesundheit bestimmen und welche Lösungsansätze es für ein gutes und gesundes Leben geben kann. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jennifer Frank vom ORF NÖ.

Regionale, regenerative Landwirtschaft sichert hohe Biodiversität und Gesundheit
Martin Grassberger – Autor, Gerichtsmediziner, Biologe, Ernährungs- und Umweltmediziner sowie landwirtschaftlicher Facharbeiter – beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur. Sein Buch „Das leise Sterben“ war Wissenschaftsbuch des Jahres 2020, zuletzt veröffentlicht er „Das unsichtbare Netz des Lebens“ (2021). Seine Conclusio: Unser wirtschaftlicher Wohlstand führte in den vergangenen Jahrzehnten zur Zerstörung von Ökosystemen, Biodiversitätsverlust und Klimakrise – und nicht zuletzt zu den „leisen“ Epidemien chronischer Krankheiten.

„Ein gesundes Ökosystem ist geprägt von möglichst vielfältigen Mikroorganismen und großer Biodiversität. Boden und Darm verhalten sich ähnlich, beide brauchen Diversität, um ihre lebenserhaltenden Aufgaben zu erfüllen“, so Grassberger. Die Landwirtschaft der Zukunft müsse daher auf Basis von gesunden Böden und Pflanzen möglichst nährstoffreiche Lebensmittel produzieren. Nur nachhaltige Ressourcennutzung und eine möglichst naturnahe, regionale und regenerative Landwirtschaft könne dabei für hohe Biodiversität, Ernährungssicherheit und menschliche Gesundheit sorgen. Market Gardens – Marktgärtnerei - sei ein Konzept, das für alle genannten Probleme eine Lösung biete.

Marktgärtnerei: Gesunde Ernährung aus gesunden Böden
Alfred Grand – Biobauer, Unternehmer und Regenwurmexperte – betreibt in Absdorf die GRAND FARM, Österreichs ersten Forschungs- und Demonstrationsbauernhof. Er konnte aus seiner Praxiserfahrung mit regenerativer Landwirtschaft erzählen: „Das innovative Konzept der Marktgärtnerei – auch mit Direktvermarktung von Gemüsekisterln – liefert frische, unbelastete und gesunde Lebensmittel aus der Region. Ohne Pestizide oder Mineraldünger wird auf kleinen Flächen und in Handarbeit statt mit großen Traktoren bio-intensive Landwirtschaft betrieben. So produzieren wir gesunde Ernährung aus gesunden Böden und schaffen zudem neue Arbeitsplätze in der Region,“ betont Grand. Und weiter: „Nötig dafür ist ein Paradigmenwechsel und die Abkehr vom bisherigen Raubbau an der Natur und reiner Konsummaximierung.“

Nichts existiert unabhängig: Langfristig gesunde Menschen kann es nur auf einem gesunden Planeten geben
Bei der anschließenden Publikumsdiskussion fokussierten die Vorstände der Windkraft Simonsfeld, Markus Winter und Alexander Hochauer, die gemeinsame Grundidee: „Was uns verbindet: Eine naturnahe, regionale Landwirtschaft sichert gesunde und leistbare Nahrungsmittel, die regionale Energieproduktion aus Wind und Sonne schafft leistbare, unabhängige und saubere Energie ohne schädliche Emissionen – für alle,“ betont Markus Winter. „Unsere Unternehmenskultur basiert auf einer klaren Nachhaltigkeitsstrategie, die in allen Bereichen unseren Beitrag zum Schutz des Klimas und für eine lebenswerte Welt im Fokus hat,“ bekräftigt Alexander Hochauer.

Die verstärkte Substitution fossiler Energie in der Landwirtschaft oder das Konzept der Agro-PV, wo PV und Landwirtschaft eine Fläche gemeinschaftlich und damit effizienter nutzen, seien mögliche Anwendungen. Hier gibt es zahlreiche innovative Ansätze. Die gemeinsame Conclusio: Nichts existiert unabhängig – Langfristig gesunde Menschen kann es nur auf einem gesunden Planeten geben.

Die Veranstaltung erfolgte in Kooperation mit der NÖN.