Versorgungssicherheit mit Windkraft: Neue Chancen für das Netz der Zukunft

Die Veranstaltungsreihe „windrichtungen“ am 27.1.2022 widmete sich den Möglichkeiten, die die Flexibilität und die technischen Möglichkeiten eines erneuerbaren Energiesystems in Sachen Versorgungssicherheit mit sich bringen.


v.l.n.r.: Bernhard Gaul(Kurier), Markus Winter (WKS), Stephan Parrer (ImWind)

Windkraft könnte noch mehr leisten
Bereits jetzt kann die Windenergie viel mehr zur Versorgungssicherheit beitragen, als die Netzversorger abrufen. „In Zukunft kann und soll die Windenergie noch einen weit größeren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, so Stephan Parrer, Leiter von ImWind Operations und Vorstand der IG Windkraft. Markus Winter, Technikvorstand der Windkraft Simonsfeld und Vorstand der IG Windkraft ergänzt: „Die Windbranche stellt hier gerne die vielen Möglichkeiten der Netzunterstützung zur Verfügung, man muss sie aber auch nutzen. Dann steht einer erneuerbaren Energieversorgung mit hoher Versorgungssicherheit nichts mehr im Weg.“  Bereits jetzt ist es schon so, dass die Technik, die derzeit in Windrädern installiert ist, im Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit weit mehr leisten könnte.

„Windräder verfügen über mehr Funktionalitäten als derzeit abgerufen werden“, berichtet Eckard Quitmann, Grid Integration Engineer, von ENERCON. Markus Winter erklärt, warum nicht mehr abgerufen wird: „Es muss klar sein und definiert werden, dass jede netzdienliche Leistung, die wir für die Netzbetreiber übernehmen finanziell abgegolten werden muss. Netzdienliches Verhalten, Netzstützung und Blindleistung sind wesentliche Planungsbestandteile von erneuerbaren Kraftwerksprojekten, vieles ist mittlerweile Standard geworden. Damit und mit den mittlerweile sehr genauen Vorhersagemodellen sind Windenergieanlagen gut regelbare Kraftwerke. Weitere Entwicklungsarbeit, Anreize und Marktanpassungen sind aber notwendig, um die Erneuerbaren noch besser für die Versorgungssicherheit nutzen zu können.“

Netz der Zukunft neu denken
In der Podiumsdiskussion, moderiert von Bernard Gaul (Kurier), waren sich Gerhard Christiner (Technischer Vorstand APG), Franz Strempfl (Geschäftsführer der Energienetze Steiermark und Netz-Spartensprecher von Österreich), Markus Winter, Stefan Parrer und die Vertreter von ENERCON, einig. Die Netze müssen neu, größer und in die Zukunft gedacht werden. Es braucht einen Gleichklang von Netzausbau und dem Ausbau der erneuerbaren Energien, die Komponenten Netz, Speicher, Bedarfsmanagement und Marktbedingungen müssen in Kombination betrachtet und zeitgerecht geplant werden.

Als ein wichtiger Aspekt wurde auch der notwendige Paradigmenwechsel diskutiert: Wir brauchen eine mutige Netzplanung, das Einbeziehen von Speichermöglichkeiten, europäisches Denken, ein gemeinsames Ziel, einen ehrlichen Zeitplan und müssen weiter daran arbeiten, Denkmuster bei Bevölkerung und Politik aufzubrechen, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu verändern. Das geht nur als gemeinsame Anstrengung von allen handelnden Akteuren: Erzeugern, Transportnetz, Verteilnetz, Regulator, Politik, Bevölkerung. Denn, wie es Gerhard Christiner auf den Punkt bringt: „Die Erneuerbare sind gekommen und zu bleiben“

>>PA der IG Windkraft (Download; pdf)